Meerforellenfischen an der Küste
Das Leben und die Wanderung der Meerforelle
Man muß damit rechnen, einen gewissen Einsatz zu leisten, bevor die erste Meerforelle sicher an Land geholt ist! Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die das Leben und Verhalten der Meerforelle entlang der Küste bestimmen. Faktoren, die zur Lokalisierung der Fische benutzt werden können. Die beiden wichtigsten sind Nahrung und die physischen Verhältnisse. Dort wo Nahrung ist, findet man die Meerforelle - sie ist ja schließlich nur ins Meer gewandert um sich größer zu fressen, als sie es in ihrem engen Geburtswasserlauf hätte tun können. Es ist deshalb wichtig, das Leben im seichten Küstengewässer im Auge zu behalten. Wimmelt es an einer Stelle mit Kleinfischen, Krebstierchen oder Ringelwürmern, gibt es mehr als gute Chancen auch die Meerforelle anzutreffen! Ist das Küstengewässer jedoch frei von Kleintierchen, ist die Meerforelle sicher anderswo hingezogen und der Angler muß ihr folgen!
Fjordforellen und Heringsfresser
In den größeren Fjordgebieten wird man häufig eine Forellenart antreffen, die nicht ganz "dem Jahr der Meerforelle" folgt. Hier ist die Rede von der sogenannten "Fjordforelle", einer Art Standfisch, mit festem Aufenthalt im Fjord das ganze Jahr hindurch. Oftmals wird sie nicht ganz blank, sondern hat das ganze Jahr einen goldenen Schimmer. Manchmal trifft man sogar auf Fjordforellen, bei denen einzelne rote Punkte des Jugendstadiums noch erhalten sind. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Bach-, See,- und Meerforellen der gleichen Gattung angehören, aber an unterschiedlichen Orten angesiedelt sind. Diese Fjordforellen haben die relativ kleinen Lebewesen, die die Fjorde zu bieten haben, als Lebensgrundlage. Es gibt jedoch auch die sogenannten "Heringsfresser", deren Beutetiere nicht groß genug werden können. Wenn der junge Fisch aus dem Wasserlauf kommt, um zu einer großen Meerforelle heranzuwachsen, bleibt er am Anfang im seichten Wasser direkt unterhalb der Küste. Hier bilden die relativ kleinen Lebewesen, wie bei der Fjordforelle, die Nahrungsgrundlage. Wenn er jedoch eine Größe von vielleicht 3-4 Pfund erreicht hat, können die kleinen Beutetiere seinen immer größer werdenden Magen nicht füllen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem er anfängt sich nach größeren Beutetieren umzusehen. Für gewöhnlich zieht die blanke Meerforelle jetzt in Gebiete mit tieferem Wasser, wo sie sich zu einem Herings- oder Sprottenschwarm gesellt, der zur regelmäßigen Nahrungsquelle wird. Die Forelle ist jetzt ein richtiger "Heringsfresser" geworden, und zieht es vor, ihren Magen mit weniger aber dafür um so größere Happen zu füllen. Da sie sich weit draußen im tiefen Wasser aufhält, wird diese Forelle jetzt immer seltener von Küstenanglern gesehen und der Bootsangler hat quasi das Alleinrecht auf sie. Um sie zu fangen sind größere Köder und kräftigere Geräte als bei den kleineren Artgenossen an der Küste erfordert. Auf den Punkt gebracht, benimmt sich die Meerforelle, die Heringe als Nahrungsgrundlage hat, jetzt wie ein Lachs. Sie legt große Strecken zurück und wächst rasch. Meerforellen in der Größenordnung 5-10 kg sind keine Seltenheit in Begleitung der Herings-, Sprotten-, oder Sandaalschwärme.
Frühling
Anfang des Frühlings fängt die Frühjahrswanderung von den Süß- oder Brachwassergebieten zum offenen Meer an. Der genaue Zeitpunkt dieser Wanderung hängt von Klima und Ortslage ab. Es sind Faktoren wie Temperatur und Salzgehalt, die die Wanderungen des Fisches bestimmen. Ist der Winter mild oder das Wasser brach, kann die Wanderung aus dem Wasserlauf oder dem Binnenfjord heraus Anfang des Jahres stattfinden. Das Entgegengesetzte gilt bei kalten Wintern oder bei Gebieten mit hohem Salzgehalt. In diesen Fällen kann die Auswanderung weitaus später im Jahr, typisch März -April, stattfinden. Kommt der Frühling plötzlich, ist die Auswanderung hektisch und von kurzer Dauer, ist das Entgegengesetzte der Fall, zieht sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg. War der Winter lang und kalt und gab es Eisbildung in den Fjorden, wird man im Zeitraum unmittelbar nach dem Eisgang oft ein phantastisches Angeln erleben. Die Fische versammeln sich dann im brachen Inneren der Fjorde und sind sehr hungrig. Die Auswahl an Nahrung ist gleichzeitig sehr gering im kalten Wasser. War der Winter jedoch sehr mild sind die Fische an der offenen Küste verteilt, wo sie weitaus schwieriger zu finden sind als im unteren Teil des Fjordes. Nach dem Ablaichen zieht die Meerforelle hinaus zu den reichen Speisekammern der Küste, wo sie das verlorene Gewicht schnell wieder zunimmt. Die mageren und abgelaichten Fische werden oft von einer anderen Sorte Meerforelle, den sogenannten "Grönländern", begleitet. Diese kleinen nicht geschlechtsreifen Meerforellen sind in Brachgewässer oder in den unteren Teil der Wasserläufe gezogen um zu überwintern. Diese nicht abgemagerten, blanken und überwiegend weiblichen Fische sind leider oftmals untermaßig und müssen deshalb zurückgesetzt werden. Die von Meerforellen unbeliebte Kombination von hohem Salzgehalt und niedrigen Wassertemperaturen hat sie dazu bewogen Brachwasser oder sogar Süßwasser aufzusuchen. Auch die kleinen "Grönländer" und die großen abgelaichten Fische mögen diese Kombination nicht. Wenn die Temperatur fällt, müssen sie deshalb Gewässer mit geringerem Salzgehalt aufsuchen. Beide Kategorien ziehen bei steigenden Wassertemperaturen hinaus zum salzigeren, offenen Meer und haben dabei nur die großen Vorkommnisse von Ringelwürmern, Krebstieren und Kleinfischen im Kopf. Den ganzen Frühling schlemmen die Meerforellen erst Ringelwürmer, später Krabben, die auf Wanderung sind, laichende Heringsschwärme und vieles andere mehr. Parallel zu den steigenden Wassertemperaturen steigt auch die Salztoleranz der Forelle.
Sommer
Im Sommer jagt die Meerforelle aktiv in sogar ozeanischem Salzwasser mit einem Salzgehalt von 35 Promille. Die Wassertemperatur kann jedoch auch an der Küste zu hoch werden. Wenn das Wasser sich einer Temperatur von 20° C nähert, zieht die Meerforelle hinaus auf das tiefere und kühlere Wasser des Meeres. Dieses geschieht typisch im Juli, der das Kommen des Sommers markiert. Die Monate Mai und Juni bieten noch gutes Meerforellenangeln, speziell wenn man die hellen Nächte nutzt. Da die Meerforelle weiß, dass das niedrige Küstengewässer immer noch sehr nahrungsreich ist, kommt sie im Schutze der Dunkelheit unter die Küste. Hier kann sie dann in aller Ruhe Nahrung aufnehmen, bis die Sonne wieder aufgeht und dadurch das Wasser zu sehr aufgewärmt wird. Wenn man also in der Sommerwärme Meerforellen angeln will, muss dies in den dunkelsten Stunden des Tages geschehen. Steht Ihnen ein Boot zur Verfügung, kann man sie Tagsüber auf tieferem Wasser finden, wo sie jedoch meistens still steht und verdaut. Sie ist also am leichtesten zu fangen während der nächtlichen Nahrungszüge Richtung Land. Benutzen Sie einen Köder, den Sie hoch in der Wasseroberfläche einholen können. So können die Fische ihn am besten sehen. Während der Tagesstunden, kann man sie jedoch auch an Stellen finden, an denen tiefes strömungsreiches Wasser bis unter Land reicht. Einzige Voraussetzung ist jedoch eine niedrige Wassertemperatur, weshalb ein Thermometer in der Angeltasche von Vorteil ist.
Herbst
Frühjahr und Sommer hat die Meerforelle dazu benutzt ihr Gewicht zu vergrößern, damit sie die strapazierende Laichwanderung des Herbstes und den Aufbau von Rogen und Milch überstehen kann. Die Herbstwanderung fängt meistens mit der ersten Schlechtwetterperiode im August-September an. Die Fische spüren sofort, dass der Herbst und damit die Laichwanderung naht. Die ganz großen Fische wandern meistens schon im Mai-Juni hinauf in die größeren Wasserläufe. Die kleineren Fische, also der Großteil, bleibt noch ein paar Monate in der Speisekammer des Meeres. Diese kleineren Fische beginnen im Spätsommer oder im frühen Herbst ihre Wanderung zurück zu dem Wasserlauf, aus dem sie stammen. Meistens sind es gemeinsame Wanderungen von schwach gefärbten Fischen, die 3-6 Pfund wiegen und von sowohl männlichem als auch weiblichem Geschlecht sind, die vielleicht schon Paare gebildet haben. Stößt man auf eine solchen Gruppe, kann man das beste Angeln des Jahres erleben, mit mehreren gefangenen Fischen innerhalb kürzester Zeit. Man darf nicht vor schlechtem Wetter mit Wind und Regen zurückschrecken, wenn es um das Angeln nach diesen Laichwanderern geht. Bei gutem Wetter sind die wohlgenährten Fische schwer zu locken, ein solider Herbststurm kann sie jedoch dazu bringen, sich über alles zu stürzen, was ihnen in den Weg kommt. Oft fängt man diese schwach gefärbten Laichwanderer an genau den gleichen Stellen, wo man am Frühlingsanfang die Fische, die nach dem Ablaichen auf dem Weg hinaus ins Meer waren, gefangen hat. Oft lohnt es sich während der Nacht gezielt nach diesen Fischen zu angeln, da sie zu dieser Zeit am aktivsten sind. Von der Küstenlinie ausgehende Landzungen sind immer zu bevorzugen, da die wandernden Fische hier oftmals eine Ruhepause einlegen.
Winter
Wenn sämtliche geschlechtsreife Meerforellen die Wasserläufe hinaufgewandert sind um zu
laichen, stößt man noch immer auf blanke, nicht geschlechtsreife Fische in Meer und Fjord. Hier kann es sich um "Grönländer" handeln, oder um "Überspringer", die aus unersichtlichen Gründen dieses Jahr nicht laichen. Dies ist eine Reserve der Natur, falls im Süßwassergebiet etwas schief gehen sollte. Die blanken, nicht geschlechtsreifen Fische nehmen im Salzwassergebiet Nahrung auf, so lange diese noch ausreichend vorhanden ist. Bei fallenden Wassertemperaturen begeben sie sich vom offenen Meer jedoch in die Richtung weniger salzhaltigeren Wassers in den geschlossenen Fjordgebieten, wo Wasserläufe den Salzgehalt des Wassers vermindern. Die Fische fressen immer noch, jedoch parallel zu fallenden Temperaturen wird ihr Stoffwechsel und damit der Bedarf an Nahrung geringer. Für den Angler wird es immer schwieriger, die Fische zu Überlisten. Es ist sehr schwer, den Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und der Fresslust der Meerforelle zu verallgemeinern, zumal der Salzgehalt des Wassers auch in Betracht gezogen werden muss. Will man doch eine Faustregel aufstellen, sollte man Wasser mit einem hohen Salzgehalt meiden, wenn die Temperatur unterhalb 5° C liegt. Liegt die Wassertemperatur zwischen 5° C und 15° C geht es der Meerforelle vorzüglich, egal wie hoch der Salzgehalt ist. Im Winter findet man in der Regel keine einzige Meerforelle in den offenen und salzhaltigen Gewässern. Sie sind entweder die Wasserläufe hochgewandert, um zu laichen, oder befinden sich im Inneren der Fjordgebiete um dort zu überwintern. Hier finden wir sie auch im Frühling, wenn das Eis aufbricht und Hunger und Jagdlust täglich mit den steigenden Wassertemperaturen steigt. Wie erwartet ist das Angeln jetzt um die Mittagszeit von warmen und sonnigen Tagen, an denen alles nach der Winterpause wieder auflebt, am besten. Das niedrige Wasser des Fjordinneren erwärmt sich schneller als das Wasser an der offenen Küste. Wenn die Frühjahrswanderungen die Fische auf einem großen Gebiet verteilt haben, sind sie jedoch wieder schwieriger zu finden. Im Gegenzug hat die zunehmende Sommerwärme die Überwinterungsorte im Inneren der Fjorde in trübe Schlammpfützen mit wiederholten Bodenveränderungen verwandelt, die von Fischen und Anglern gemieden werden. Das Jahr der Meerforelle ist vorbei und ein Neues kann beginnen.
Angeltechniken
Die Meerforelle ist ein hitzköpfiger Jäger - ein richtiger Opportunist, und es gibt deshalb viele Wege sie zu fangen. Manchmal schnappt sie kritiklos nach Allem was man ihr ins Wasser schmeißt. Zu anderen Zeitpunkten, kann sie satt und unglaublich wählerisch sein. Dann folgt sie bloß dem Köder bis zur Rutenspitze, nur um dann wieder umzukehren. Es gibt jedoch Techniken und Köder, die je nach Jahreszeit mehr Fische ergeben als andere:
Fliegenfischen
Immer mehr Angler stellen fest, daß Fliege und Fliegenrute beim Angeln auf Küstenmeerforellen effektiv sein können. Man braucht nämlich bei weitem nicht immer die weiten Würfe um mit der beliebten Meerforelle Kontakt aufnehmen zu können. Tatsächlich trifft man die Meerforelle häufig direkt unter der Küste, wo sie mit einem kurzen Fliegenwurf leicht zu erreichen ist. Hier hat die Meerforelle häufig ihr Sichtkorn auf kleine Beutetiere gerichtet, die der Fliegenfischer überzeugender nachahmen kann, als der Spinnangler. Außerdem wird häufig bei so niedrigem Wasserstand geangelt, daß nur Fliegen effektiv sind.
Die Ausrüstung
Eine 9-10 Fuß Fliegenrute der Klasse 7-8 stellt die Standartausrüstung dar. Die Schnur
muß vom weitwürfigen WF-Typ sein, die bei dem an der Küste fast immer anwesenden Wind, gut geworfen werden kann. Angelt man im flachen Wasser der Fjorde, ist es günstig eine Schwimmschnur zu verwenden. Angelt man aber an der offenen Küste, wo es relativ große Wellen gibt, ist eine Intermediate-Schnur vorzuziehen. Mit dieser Schnur gelangt man unterhalb der Wellen und kann damit den Kontakt zur Fliege erhalten. Ein Schnurkorb ist ungeheuer praktisch, wenn man bei Wellengang, starkem Strom oder Treibtang angelt. Man vermeidet verlorene Angelzeit, verhedderte Schnüre und darauffolgende Würfe die viel zu kurz ausfallen. Das Vorfach sollte ungefähr 9 Fuß Länge haben wenn man mit Intermediate-Schnur angelt, jedoch 12 Fuß sein, wenn eine Schwimmschnur auf der Rolle sitzt. Das Vorfach soll 0.25 Millimeter an der Spitze messen, wenn man die etwas größeren Fliegen benutzt. 0.20 Millimeter ist eine gute Wahl an ruhigen Tagen, wo das Angeln kleine Fliegen erfordert. Eine salzwasserbeständige Rolle, gerne mit bewährter Scheibenbremse, die große Fische sicher kontrollieren kann und mindestens 100 Meter 20 lbs. Backingschnur vollenden die Ausrüstung. Küstenfliegen sind ein Kapitel für sich. Es stehen zwei Grundtypen zur Auswahl - reine Phantasie und mehr oder weniger naturgetreue Nachahmungen der Beutetiere der Meerforelle. Farbenprächtige Phantasiefliegen, gerne fluoreszierend, sind im Winterhalbjahr wo das Wasser kalt ist und Nahrungsknappheit herrscht, zu bevorzugen. Im Sommerhalbjahr, wo es im flachen Küstengewässer nur so von Leben wimmelt, kommen eher farbneutrale Fliegen, die die vorkommenden Beutetiere - Kleinfische, Krebstierchen oder Ringelwürmer, nachahmen in Frage. Für die abendliche oder nächtliche Angeltour sind die buschigen Muddler- oder Zonkersorten ganz besonders geeignet, da diese hoch geführt werden können, und die Meerforelle sie deshalb besser sehen kann. Oft hört man den Fisch zubeißen bevor man es spürt.
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