Reisebericht - März 2007
Dänemark (STGE) - Als wir neulich auf der Fähre nach Hardeshoj unterwegs waren und die romantische Insel Als im tiefen Blau vor uns lag, konnten wir kaum ahnen, dass wir am folgenden Wochenende mehr als entschädigt werden würden für vergangene Tage.
Dabei waren wir knapp eine Woche zuvor noch voller Optimismus und Tatendrang als unser TomTom immer nervöser wurde und uns auf die nächste Abfahrt verwies. Einige wenige Kursänderungen später standen wir schon vor unserem Domizil, um unser Gepäck einzuräumen und die Lebensmittel zu verstauen. Nach einer kleinen Stärkung standen wir schon im Fjord, um den über Wochen der Vorfreude aufgebauten Druck abzubauen. Wenn Engel reisen heißt es doch so schön und genau so war das Wetter. Blau der Himmel, kräftig die Sonne, doch kalt der Ostwind. Der Wind also, den wir zum Angeln absolut nicht gebrauchen konnten! Für Rechtshänder beim Fliegenfischen obendrein sehr schwierig zu verarbeiten, weil der Wind an unserer Stelle des Fjordes auf die Wurfhand drückte. Für Profis aber kein Problem, wenn man sich einfach umdreht und die Schnur nach hinten schießen lässt! So konnte uns dieses Problem also nicht von unserem Kurs abbringen, den einen oder anderen schönen Fisch zu fangen. Auch das trübe Wasser, bedingt durch gestautes Flußwasser aus der nahen Au konnte uns zunächst nichts anhaben. Helle große Fliegen, über Wochen zuvor speziell für diese Situation entwickelt, sollten dennoch den einen oder anderen Fisch überreden können. Der erste Versuch blieb trotzdem erfolglos und so hatte Jacques am Abend die Gelegenheit uns mit seinem französischem Temperament von seinen Wein- und Käsekenntnissen zu überzeugen. Am nächsten Morgen standen wir wieder im Fjord, an einer weiteren exzellenten Stelle mit optimalen Wasserverhältnissen, aber auch hier waren Meerforellen Mangelware. Zwei Wochen zuvor gab es hier noch Meerforellen satt, so die Aussage von einheimischen Fischern. Der Ostwind sei das Problem, so die Experten weiter. Ungemütlich kalt und energisch agierte dieser, die Schattenseite also von Hoch Orania. Mit Sonnenbrand und kalten Füssen testeten wir also Strecke für Strecke, bevor wir uns am Abend entzugsbedingt die ersten Fisch-DVD´s ansehen mussten.
Motiviert durch Drillszenen fischten wir am nächsten Tag weiter, in der Hoffnung, eine dieser blanken Schönheiten zu erbeuten. Doch auch am dritten Tag gingen wir leer aus und so kam es uns in den Sinn, für einen Tag das Meerforellen-Eldorado Fünen aufzusuchen, um hier einige traumhaft schöne Strände zu befischen. Wir konnten hier auch tatsächlich einige kleinere Fische in flachen Fjord-Abschnitten überreden, aber der dicke Brummer war noch nicht dabei. Auch die Experten von "Go Fishing", dem dort ansässigen Fachgeschäft, konnten nur von kleinen Fischen berichten.
Also lag es wohl doch einzig und allein an der kalten Ostluft, die das Wasser gerade in der Nacht stark abkühlen ließ und es bis zum Nachmittag dauerte, bis die Sonne das Wasser wieder auf Temperatur brachte. Unsere wenigen Fische gingen deshalb auch am späten Nachmittag und Abend an den Haken!
Bevor wir abends vor Müdigkeit ins Bett fielen, bekochte uns Mario mit guter Hausmannskost, Jacques reihte wie üblich die verschiedenen Käsesorten ein und Tobias präsentierte eine seiner DVD´s. Die Tage wurden zur Routine und die Reise näherte sich dem Ende.
Teils gebeutelt von tausenden von Würfen, Kilometer langen Strandläufen oder einfach nur gefrustet von der Erfolgslosigkeit zogen wir schlussendlich Richtung Insel Als, um dort die letzten beiden Tage zu verbringen. Als sich die Schranke der Fähre öffnete und wir vertrauten Boden betraten, war die vergangene Woche beinahe vergessen und neues Adrenalin machte sich im Körper breit.
Wir fischten unsere Hot Spots ab und bereits beim dritten Stopp konnte ich eine schöne blanke 48er überlisten, die auf der Suche nach großen leckeren Garnelen war, wie ihr Mageninhalt verriet. Spätestens jetzt war die Woche vergessen und es ging an einen anderen Strand, an dem die Borstenwürmer schonmal ihre Hochzeit probten und aus den Löchern kamen. Wassertemperaturen von 12 Grad ließen die Ringler nicht kalt! So konnte ich zum Sonnenuntergang einige Fische drillen, eine davon sogar bis zu meinem Kescher. Abends gab es dann neben Boxkämpfen auch endlich mal Themen wie Drill oder Fliegenmuster, also mal etwas anderes als Käse, Wein und DVD´s! Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir alle mittlerweile unseren Fisch gefangen - außer unserem Freund Tobias. Er wusste wohl, dass man sich das Beste bis zum Schluss aufbewahrt, denn während wir uns am Samstag mit den Mitgliedern unseres Hower Fliegenfischer Clubs zum "Happy Seatrout Day" trafen (einen Bericht darüber lesen Sie in unserer nächsten Aktualisierung!), fischte er mit Jacques die Stelle ab, an der ich den Garnelen-Räuber überlisten konnte. Hier konnte er eine herrliche 66er greifen, die ihn zum glücklichsten Fischer in der Runde und zum Strahlemann des Abends machte.
Ende gut alles gut und so freute ich mich am Sonntag über herrliche Drills und ein erfolgreiches Vereinsangeln, von dem ich selbstverständlich wieder berichten werde.