Das Leben und die Wanderung der Meerforelle - Teil II
Teil II - Frühling
Anfang des Frühlings fängt die Frühjahrswanderung von den Süß- oder Brachwassergebieten zum offenen Meer an. Der genaue Zeitpunkt dieser Wanderung hängt von Klima und Ortslage ab. Es sind Faktoren wie Temperatur und Salzgehalt, die die Wanderungen des Fisches bestimmen. Ist der Winter mild oder das Wasser brach, kann die Wanderung aus dem Wasserlauf oder dem Binnenfjord heraus Anfang des Jahres stattfinden. Das Entgegengesetzte gilt bei kalten Wintern oder bei Gebieten mit hohem Salzgehalt. In diesen Fällen kann die Auswanderung weitaus später im Jahr, typisch März -April, stattfinden. Kommt der Frühling plötzlich, ist die Auswanderung hektisch und von kurzer Dauer, ist das Entgegengesetzte der Fall, zieht sie sich über einen längeren Zeitraum hinweg. War der Winter lang und kalt und gab es Eisbildung in den Fjorden, wird man im Zeitraum unmittelbar nach dem Eisgang oft ein phantastisches Angeln erleben. Die Fische versammeln sich dann im brachen Inneren der Fjorde und sind sehr hungrig. Die Auswahl an Nahrung ist gleichzeitig sehr gering im kalten Wasser. War der Winter jedoch sehr mild sind die Fische an der offenen Küste verteilt, wo sie weitaus schwieriger zu finden sind als im unteren Teil des Fjordes. Nach dem Ablaichen zieht die Meerforelle hinaus zu den reichen Speisekammern der Küste, wo sie das verlorene Gewicht schnell wieder zunimmt. Die mageren und abgelaichten Fische werden oft von einer anderen Sorte Meerforelle, den sogenannten "Grönländern", begleitet. Diese kleinen nicht geschlechtsreifen Meerforellen sind in Brachgewässer oder in den unteren Teil der Wasserläufe gezogen um zu überwintern. Diese nicht abgemagerten, blanken und überwiegend weiblichen Fische sind leider oftmals untermaßig und müssen deshalb zurückgesetzt werden. Die von Meerforellen unbeliebte Kombination von hohem Salzgehalt und niedrigen Wassertemperaturen hat sie dazu bewogen Brachwasser oder sogar Süßwasser aufzusuchen. Auch die kleinen "Grönländer" und die großen abgelaichten Fische mögen diese Kombination nicht. Wenn die Temperatur fällt, müssen sie deshalb Gewässer mit geringerem Salzgehalt aufsuchen. Beide Kategorien ziehen bei steigenden Wassertemperaturen hinaus zum salzigeren, offenen Meer und haben dabei nur die großen Vorkommnisse von Ringelwürmern, Krebstieren und Kleinfischen im Kopf. Den ganzen Frühling schlemmen die Meerforellen erst Ringelwürmer, später Krabben, die auf Wanderung sind, laichende Heringsschwärme und vieles andere mehr. Parallel zu den steigenden Wassertemperaturen steigt auch die Salztoleranz der Forelle.