Hower Fliegenfischer Club e.V.

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Reisebericht Norwegen - Gaula Juni 2009

 

Die Ritter der Tafelrunde

Hamburg (StGe) Die Vorbereitung begann wie üblich bereits Wochen vor der Reise und ist wichtig für einen reibungslosen Ablauf. Bei der Unterkunft entschieden wir uns diesmal wieder für Nedre Löberg bei Lundamo, eine Strecke im Unterlauf der Gaula, die wir in der Vergangenheit schon oft besucht hatten und nunmehr seit 15 Jahren kennen. Vorteil dieser Strecke ist, dass sie unterhalb des Gaulafossens liegt und somit schon früh im Juni Blanklachse hervorbringt. Als Unterkunft sicherte uns Nils Joar Lien telefonisch die große und neue 4-Mann-Hütte zu. Um sicher zu gehen, rief ich aber einige Tage vor der Abfahrt nochmals bei Nils an und musste mich wundern, warum wir plötzlich das Obergeschoss im alten Haus zugelost bekamen, was wir Nils durchaus übel nehmen konnten. Das war so nicht geplant, sollte uns aber nicht von unserer Reise abhalten. In der neuen Hütte hätten wir nur etwas mehr Platz gehabt und eine Terrasse mit Dach. Später stellte sich allerdings heraus, dass auch hier genügend Platz vorhanden war. Neben der Unterkunft buchte ich lange im voraus einen Leihwagen, der Platz für 5 Mann samt Gepäck haben musste sowie die entsprechenden Fährtickets. Hierbei konnten wir uns wie gewohnt auf das Team von Angelreisen.de verlassen, wobei ich an dieser Stelle insbesondere einmal unseren Ansprechpartner Werner Peters erwähnen möchte, der sich in der Vergangenheit immer als sehr zuverlässig dargestellt hat.

Jahreslizenzen für Norwegen besorgten wir uns via Internet und so fehlte nur noch Verpflegung sowie Gerät und Kleidung. Listen hierzu hatten wir aus den Vorjahren behalten, so dass wir schnell in der Lage sind die Menge an Verpflegung auf die entsprechende Anzahl an Teilnehmer und Reisetage umzurechnen. Bei Gerät und Kleidung kann uns ebenfalls nichts fehlen, da wir auch hier Listen ständig ergänzen und vor Antritt der Reise entsprechend abarbeiten. Nun lag also eine Woche Lachsfischen vor uns und  die Freude war groß. Endlich war es soweit!

 

Am Tag der Anreise mussten wir also nur noch das Auto beladen, das neue Navigationssystem von Manfred programmieren und gegen 12 Uhr lagen zwischen uns und unserem Lachsglück lediglich noch 1400 km und ca. 19 Stunden Autofahrt, die wir in drei Etappen bewältigen wollten. Die erste und kürzeste Etappe ist hierbei die Strecke Hamburg-Puttgarden, auf welcher nichts außergewöhnliches passierte. In Puttgarden fuhren wir auf die Fähre und während diese auf Rödby zusteuerte, stärkten wir uns mit einem Schnitzel Bernaise. Wolfgang war noch etwas zerstreut vom Vortag, an dem er nach eigener Aussage erstmals in seinem Leben zwei mal an nur einem Tag betrunken war. Morgens gab es am See "nen Lütten" und abends dann zur Skat-Runde bei seinen Nachbarn die zweite Runde. Schlaf zur Erholung blieb nicht viel und so brauchte er also erstmal ein so genanntes Konterbier. Als Menü gab es also bei ihm Schnitzel, Pommes, Becks.

Von der Fähre runter fuhren wir nun Richtung Kopenhagen und weiter nach Helsingör, wo die nächste Fähre nach Schweden bereits auf uns wartete. Gerade soviel Zeit, eine Tasse Kaffee zu genießen, um dann die Reise entlang an Schwedens Westküste zu anzutreten. Auf der Fahrt Richtung Göteborg kamen wir aufgrund der ausgebauten Autobahn zügig voran, bevor wir kurz hinter der Austragungsstätte der U21 EM Richtung Vänernsee abbogen, um bei Kongsvinger die Grenze nach Norwegen zu überqueren.

Auch diese Strecke ist mittlerweile ausgebaut und wesentlich sicherer als noch vor ein paar Jahren. Einziges Hindernis sind die ständigen festen Geschwindigkeitskontrollen, die einem die volle Konzentration abverlangen. Während der Fahrt wechselte ich mich mit Axel alias Sir Edward ab. Auf dem Beifahrersitz versuchte Manfred alias Sir Malcom das neue Navi zu programmieren, stellte jedoch bald fest, dass er doch glatt vergessen hatte, die Karte von Schweden zu laden. Also ging es weiter nach Karte. Auf den Rücksitzen machten es sich neben Sir Edward auch Wolfgang alias Sir Persie sowie Martin alias Sir Tullamore bequem. Warum gebe ich den Jungs aber allen den Namensvorsatz eines Ritters, werden Sie sich fragen? Dazu komme ich später, versprochen!

Wie Sie wissen, ist die Einfuhr von alkoholischen Getränken nach Norwegen beschränkt. Wir beschlossen also im Vorfeld der Reise, dass eine Palette Bier pro Nase ausreichen sollte und mehr hatte ich auch beim Einladen nicht gezählt. Mit gutem Gewissen fuhr ich also über die Grenze und wenn mich jemand angehalten hätte, hätte ich das wohl auch bei meinem Leben geschworen. Naja, dazu kommen ich dann später noch.

Die letzte Etappe, die wir nun durch Norwegen fuhren ist erfahrungsgemäß die längste und schwierigste der gesamten Reise, denn die Straßen wurden immer schmaler, die Kurven enger und die Sicht schlechter. Gut also, dass es im Juni kaum dunkel wird und so hatten wir immer noch einen Rest Tageslicht, welches uns ermöglichte, die Strasse nach Elchen und anderen Wildtieren abzusuchen.

Vorbei an wunderschönen Äschenflüssen, diversen Seen und überwältigenden Landschaften fuhren wir im letzten Drittel der Reise durch das Hochgebirge und merkten erstmals wie kalt es in Norwegen eigentlich noch war, denn Schnee, Graupel und verschneite Bergspitzen waren ein Indiz dafür. Als sich der Schnee in Regen umwandelte wussten wir, dass wir endlich in Richtung Gaula-Tal unterwegs waren und gegen 6:00 Uhr am frühen Morgen sahen unsere Augen erstmals das cognacfarbene Wasser der Gaula. Einige wenige Kilometer später waren wir an unserem Ziel sicher und problemlos angekommen.

 

Bei unserer Ankunft gegen 06:30 Uhr auf dem Hof von Nils Joar Lien in Nedre Löberg bei Lundamo blieb uns plötzlich die Spucke im Halse stecken. Noch mehr Hütten als noch 2006 und alle samt belegt. Der ganze Hof voller Autos und noch mehr vermeintlicher Angler. Bekanntermaßen hat Nis nur ein Waschhaus mit nur einer Toilette, weshalb wir uns schwer vorstellen konnten, dass die bevorstehende Woche reibungslos ablaufen würde. Aber es ist ja nur eine Woche und so machten wir uns Mut und weil unsere Hütte noch belegt war fuhren wir erstmal weiter an den Fluss, um einige erste Eindrücke einzufangen und den bevorstehenden Urlaub einzuleiten.

Am Fluss stand eine ganze Reihe Angler, die versuchte, zumeist mit Wurm und Blinker, einen dieser Juni-Blanklachse zu greifen. Zwei, auf den ersten Blick seltene Fliegenfischer, berichteten uns von ihren Fängen. Sie hätten in der ersten Woche je einen Lachs von gut 8 kg erwischt und waren natürlich froh darüber. Wir machten es uns derweil in der kleinen Hütte am Wasser gemütlich und sahen wie ein Blech-Angler am anderen Ufer einen schönen Lachs drillte und kurze Zeit später im Arm hielt. Das machte uns schon einmal ordentlich Mut für die kommenden Angeltage. Gegen 10 Uhr konnten wir dann unser Gepäck ausladen und die Hütte beziehen, bevor wir den verpaßten Schlaf der vergangenen Nacht nachholen konnten.

 

Der 1. Tag begann ruhig und wir machten uns gegen Mittag nach Lundamo auf, um unser Gerät zu desinfizieren, bevor wir es uns erstmals am Wasser gemütlich machten und den Grill vorbereiteten. Während die Kohle durchbrannte, machten wir unseren ersten Durchgang im oberen Teil der Strecke. Dieser etwa 300 Meter lange Teilabschnitt ist eine "fly only" Strecke, die bei normalen Wasserstand nur von Fliegenfischern benutzt werden darf. Als Hinweis dient hier ein roter Stein. Wenn dieser zu sehen ist, darf nur mit Fliege gefischt werden. Der Stein war zu sehen und trotzdem war ordentlich Druck im Wasser. Wir schätzten den Wasserstand auf ca. 200 Kubikmeter pro Sekunde. Während auf dem mittleren und vor allem im unteren Teil der Strecke die Angler Schulter an Schulter standen, hatten wir in der s. g. "Fluesone" zumindest unsere Ruhe.

Nach meiner Knie-OP machte ich erstmal vorsichtig Schritt für Schritt durch das Wasser. Der erste Durchgang verlief aber ohne Probleme und diente zudem der Orientierung. Man merkt sofort, ob sich das Flussbett verändert hat und auch in diesem Frühjahr hatte das Hochwasser das Kiesbett der Gaula wieder ordentlich durchgeschüttelt. Die tiefen Löcher vor der Rausche waren in der Vergangenheit immer gute Standplätze für Lachse. Hier blieben die Fische stets kurz stehen, nachdem sie sich durch das schnelle Wasser der Rausche gekämpft hatten.

In diese tiefen Löcher hatte das Hochwasser aber die kleinen Steine geschoben und nun konnte man bis an die Rausche heranwaten. Aber vielleicht hatten sich nun andere gute Stellen gebildet.

Dies sollten die nächsten Tage zeigen. Kurz vor der Mittsommernacht sind die Tage lang und man kann die ganze Nacht durchfischen. Wir verbrachten die erste Nacht am Wasser in der kleinen Hütte und stärkten uns mit Würstchen und knusprigem Knoblauchbrot. Ansonsten blieb unser "Nachtangeln" aber erfolglos.

 

Nach einer Mütze voll Schlaf in unseren kleinen und gewöhnungsbedürftigen Betten begann der 2. Tag mit einem Frühstück, bevor wir uns unsere Ruten schnappten und an den Fluss gingen, um unsere Durchgänge zu machen. Bei Wassertemperaturen um 10 Grad Celsius zeigen sich die Fische eher selten und so beobachteten wir das Wasser vergeblich nach Bewegung ab. Die großen Juni-Fische suchen sich stets den einfachsten Weg durch den Fluss und schwimmen meist knapp über dem Grund den Fluss hinauf. Entgegen den Monaten Juli und August, wenn ich meine Fliege eher flach anbiete, mussten wir bei diesem hohen Wasserstand, den kalten Temperaturen und dem trüben Wasser vor allem tief fischen und dabei große auffällige Fliegen anbieten. Hierzu hatte ich zuvor noch die eine oder andere Riesentube gebunden und diese ein wenig beschwert.

Ich nutze den Tag, um zu testen, welcher Schußkopf am besten für die Fischerei geeignet ist. Beim ersten Durchgang fischte ich einen Intermediate, beim zweiten einen Sink 1/2, beim dritten einen Floating/Sink 5 und schließlich entschied ich mich für den Sink 2/3 sowie einem Super Fast Sinking Poly Leader in 10 Fuß Länge. Hieran knotete ich ein sehr kurzes Vorfach der Stärke 0,435 mm und meine beschwerte Tubenfliege. Lediglich mit dieser Kombination schaffte ich es, meine Fliege auf den Grund zu halten. Man konnte schön merken, wie die Fliege oftmals den Grund touchierte. Was natürlich auch zur Folge hat, dass man den einen oder anderen Hänger bekommt und oftmals den Haken nachschleifen musste. Ich wählte bewusst die Vorfachstärke 0,435 mm, da diese etwas weniger Tragkraft aufweist als das Poly Leader und die Running Line. Es sollte Ihnen nie passieren, dass der Poly Leader oder gar die Running Line reißt. Alles schon dagewesen....

Leider bleib auch der zweite Tag erfolglos, obwohl auch Sir Edward, Sir Persie sowie Sir Malcom an meiner Seite mit der Fliegenrute kämpften. Einzig Sir Tullamore bevorzugte die Wurmfischerei. Hierzu hielt er sich meistens im Mittelstück auf der Insel auf. Hier findet man sehr tiefe Löcher und viel Drehwasser, was für den Wurmangler ideal ist und von uns Fliegenfischern gemieden wird.

 

Abends dann machten wir es uns am Tisch in unserer kleinen Hütte bei einem Bierchen gemütlich. Wolfgang hatte schon lange den Namen Sir Persie abbekommen. Warum weiß keiner so genau, vielleicht weil er immer etwas königlich daher kommt. In Dänemark bei Ann-Lise darf er stets am Kopfende sitzen und auch auf der Autofahrt nach Norwegen saß er hinten in der Mitte. Jeder weiß doch, dass der König immer hinten sitzt.

Und plötzlich holte Axel eine Flasche Whisky aus der Tasche. Verdutzt schaute ich ihn an. Wir hatten doch vereinbart...wenn ich kontrolliert worden wäre.... Bevor ich zuende sprechen konnte, war mein Alubecher mit einer Whisky-Cola Mischung gefüllt und es wurde auf einen schönen Urlaub angestoßen. Auf der Flasche von Axel stand der Name Edward und so hatte Axel schnell den Namenszusatz Sir Edward. Aber wie das halt so ist, so eine Whisky-Flasche hält mit 5 Mann natürlich nicht so lange, woraufhin Wolfgang dann plötzlich die nächste Flasche mit dem Namen Malcom auf den Tisch zauberte. Dieser Titel ging dann spontan an Manfred, der fortan den Namen Sir Malcom inne hatte. Martin holte, aber an einem der folgenden Tage, eine Flasche Tullamore auf den Tisch und so wurden alle zum Ritter geschlagen und mit einem entsprechenden Titel versehen. Nur ich nicht, aber ich hatte ja auch keine Flasche dabei. Außerdem trinke ich normalerweise auch nur Eistee.

 

Der 3. Tag begann mit einem deftigen Frühstück, denn die Ritterfeier hatte ihre Spuren hinterlassen. Aber was gibt es Schöneres als etwas frische Luft und so machten wir uns auf zum Fluss. Zuvor trafen wir noch unsere Hütten-Nachbarn Henry und Gregon aus Kiel. Henry ist ein alter Bekannter, der auch schon seit Jahren die Strecke von Nils befischt. Er ist ein begeisterter Wurmangler und beherrscht diese Materie wie kaum ein anderer. Er hatte in seiner ersten Nacht gleich den ersten dicken Lachs im unteren Teil der Strecke gefangen. Gregon berichten übrigens auch über ihre Reisen. Schauen Sie doch mal rein auf www.lachsfischergaula.com. Hier werden die beiden bestimmt auch von ihren 14 Tagen berichten.

Wir kämpften hingegen weiter mit Fliege und merkten nach und nach die schweren Ruten in Arm und Schulter. Lachsfischen im Juni ist schon harte Arbeit und nicht zu vergleichen mit dem Fischen, wenn es mit der 8/9er auf Sommerlachse geht.

Unten am Wasser traf ich das Team von Mountain Media rund um Jan Erik Granbo. Die Jungs sind Ihnen vielleicht bekannt durch die Filme, Gaula Silver, Salmonfishing The Singlehand Rod oder The River Mörrum. Jedenfalls drehen die Jungs gerade einen einzigartigen neuen Lachsfilm, der insbesondere die verschiedenen Techniken der Lachsfischerei erklären soll. Die DVD wird wohl zum Ende des Jahres im Handel erscheinen und auch eine englische Übersetzung haben. Leider wird es den Film wohl nicht mit deutscher Übersetzung geben, da der Absatz in Deutschland nicht mit dem in Norwegen zu vergleichen ist und die Kosten für die Übersetzung einfach zu groß sind. Aber es wird darüber nachgedacht. Wir sind gespannt.

Axel und ich fischten gerade als wir merkten, dass der Druck zunahm und das Wasser stieg. Das hatten wir die Nächte zuvor auch beobachtet. Ich dachte mir, es könnte an der Schneeschmelze liegen. Tagsüber verdunstet viel mehr Wasser als Nachts, weshalb der Wasserstand ansteigen könnte. Zudem musste es in den Bergen etwas geregnet haben. Jedenfalls hatte ich zuvor immer möglichst die Rausche am gegenüberliegenden Ufer befischt, dort wo sich die Jahre zuvor immer die Fische hingestellt hatten und wo ich 2005 und 2006 schöne Fische fangen konnte.

Da aber das Wasser stieg vermutete ich, dass die Lachse nun auf unserer Seite durch die flachere Rausche ziehen würden und so machte ich einige Schritte rückwärts und fischte dadurch unsere Seite effektiver ab. Ich warf die Leine zwar immer noch über die Steinbarriere zum anderen Ufer, ließ sie aber weiter durchtreiben. Dazu musste ich die Rute weit heben, um keine Hänger an der Steinbarriere zu bekommen, bevor ich sie dann wieder absenkte, um die Fliege in die Rinne hineinfallen zu lassen. In der flachen Rausche hatte sich eine kleine Rinne gebildet. Hier vermutete ich die Lachse und fischte die Rinne Meter für Meter ab. Meine Fliege klopfte dabei immer wieder den Grund ab und blieb kurzzeitig an dem einen oder anderen Stein hängen. Sie blieb aber nie ganz hängen, wodurch ich weiter sauber fischen konnte. Hierzu hatte ich einen Zwillingshaken eingebunden mit den Spitzen nach oben, so dass diese nicht an den Steinen hängen blieben konnten. Und plötzlich doch ein Hänger. Aber nein, es war  keiner, er bewegte sich. Endlich, ein Lachs am anderen Ende und er war stark. Der Fisch kämpfte sich immer wieder Richtung Rausche zurück bis ich tatsächlich hinterher musste. Also Rute hoch und laufen, laufen, laufen, laufen. Immer hinterher, hinter dem Fisch, den ich mir so sehr wünschte. Und es ging gut, der Fisch blieb nirgendwo hängen und so konnte ich ihn problemlos unterhalb der Rausche ausdrillen. Axel griff sich den Fisch von 7,2 kg und die Arbeit der vergangen Tage und das Taktieren hatten sich ausbezahlt. Nach einer kleinen Fotosession machte sich Axel auf, um einen erneuten Durchgang zu machen. Keine 3 Würfe dauerte es, da war seine Rute krumm und der Lachs schoss in die Bremse. Leider hakte die Fliege nicht richtig und so verlor er den Fisch kurz nach dem Biss.

Aufgrund einer neuen Fischereiregelung in Norwegen muss man das Fischen einstellen, sobald man einen Lachs entnommen hat und darf erst wieder am nächsten Angeltag beginnen. Bei Axel war die Luft raus und so versorgten wir den Fisch und legten uns schlafen.

 

Am nächsten Morgen polterte die Tür und Wolfgang betrat den Raum. Kühl und trocken, wie es seine Art ist, antwortete er auf die Frage: "Hast was bekommen?" "Jo, ich hab einen!" "Geil Wolle und wie groß?" 9,3 kg!!! Ein hammer Fisch! Nachts hatte er von meinem Fang natürlich mitbekommen und war am frühen Morgen des 4. Tages raus und hatte mit der Blinkerrute eine seiner Lieblingsstellen abgefischt, an denen er schon viele schöne und große Fische gefangen hatte. Aber dieser Fisch war sein größter bisher und die Freude war riesig. Wir trafen Henry, der in der zweiten Nacht seinen zweiten Lachs gefangen hatte und plötzlich schienen überall Lachse zu sein. Motiviert stiegen wir wieder ein, aber der Erfolg blieb aus.

 

Am 5. Tag fiel das Wasser kräftig, so dass wenig Fische den Fluss aufstiegen. Vor allem die Rinne an der Rausche, die ich nun natürlich gewissenhaft ausfischte brachte keinen Lachs. Wir hörten von Fängen im Unterlauf auf der Strecke von Borten/Losen sowie bei Saugen und vor allem die Strecke von Rudi Masurat brachte viele Fische. Einen Blick auf den Fluss erklärte sofort warum. Zustände wie beim Heringsangeln in Hvide Sande sorgten dafür, dass die Fische ohne Stopp durch den oberen Teil der Strecke stürmten und erst wieder bei Saugen oder am Flusseinlauf bei Rudi Masurat stoppten. Man erzählte uns und man konnte es von weiten auch erahnen, dass bei Borten/Losen beinahe alle 2 Meter ein Angler stand und das auch noch von beiden Uferseiten. Bei Nils zusätzlich etwa 20-30, was erklärt warum die Fische verschreckt sind und ordentlich Gas geben. Hinzukam, dass hier ordentlich Fische gefangen wurden, was immer mehr Fischer anlockte und  daran lag, dass sich die Fische zum Teil in einer Kehre der Rausche verlaufen hatten und hier dann quasi ausgeliefert waren und zum anderen kaum eine Chance hatten, überhaupt an einem Blinker oder Wurm vorbeizukommen.

Jedenfalls war es für uns Fliegenfischer auf unserer Seite schwer an Fisch zu kommen und so blieb mein Fisch der einzige mit der Fliege. Ausnahme waren die Fänge auf der Gegenseite kurz vor Borten/Losen, für welches Stück Nils auch zwei Karten ausgibt. Hier wurden ab und an Fische auch mit der Fliege gefangen. Aber der Unterlauf war für uns Fliegenfischer auf unserer Seite eher uninteressant.

 

Der 6. Tag, Henry hatte mittlerweile seinen dritten Lachs in die Truhe gelegt, begann standardmäßig mit einem Frühstück, bevor wir uns aufrafften, die letzten beiden Tage anzugehen. Axel kam mittlerweile bestens mit seiner neuen 15-Fuß Rute zurecht, nachdem ich ihm einen vernünftigen Schußkopf ausgesucht hatte. Er fischte wirklich fleißig und durchgehend mit der Fliegenrute und hätte von uns allen den Lachs am meisten verdient gehabt. Leider verlor er wieder einen schönen Fisch, der ihm keine Chance ließ und die Rausche durchmarschierte, bevor sein Vorfach an einem scharfen Stein zerschmetterte. Völlig leer gab er schließlich auf und setze erstmal einen Tag aus. Lachsfischen ist nicht immer Können und Ausdauer, man benötigt ab und ab auch mal ein wenig Glück und das hatte unser Axel leider diesmal nicht.

Ich schlug mir weiterhin die Stunden am Wasser um die Ohren und auch die anderen kämpften verbittert. Nicht einmal Martin konnte einen Lachs mit seinen Würmern überreden. Im Unterlauf wurde immer mal wieder Fische gefangen und auch Ken Sawada und Co. machten Masurats Strecke zu einer der erfolgreichsten. Nur bei uns im Mittelstück passierte nicht viel. Ich beschloß in der vorletzten Nacht noch einmal die Zähne zusammenzubeißen und durchzufischen. Bis um 02:30 Uhr hielt ich es durch, bevor es plötzlich anfing zu regnen und prompt das Wasser stieg. Da ich schon ziemlich am Ende meiner Kräfte war, beschloss ich mich schlafen zu legen und abzuwarten was passiert. Selbst wenn das Wasser steigt, brauchen die Fische eine gewisse Zeit bis sie es im Fjord merken und dann noch einige Stunden bis sie bei uns waren. Ich dachte mir, dass sie so gegen 23:00 Uhr bei uns sein müssten.

 

Der letzte Tag war angebrochen und wir gingen ans Wasser. Der Fluss war in einer Nacht um satte 150 cm angestiegen. Ca. 400 Kubikmeter müssten es nun sein. Kein Grund, um nicht doch zu fischen. Die Lachse ziehen trotzdem und gerade jetzt eher an den Kanten entlang als durch die tiefen Rinnen. Der einfache Weg wird gesucht und deshalb ist es wichtig, dass Sie ständig das Flussbett beobachten, gerade bei wenig Wasser. Kanten, Löcher und Gumpen, die sie bei wenig Wasser noch mit trockenen Füßen durchlaufen haben, können bei Hochwasser interessant sein.

Konzentriert fischten wir die Kanten der "Fluesone" ab und hatten dabei kaum mehr als die Schußkopflänge draußen. Immer schön die Kante abfischen und dabei große auffällige Fliegen benutzen. Ich fischte einen großen selbstkreierten Green Highlander, der in dem trüben Wasser eine tolle Wirkung hatte.

Wir warteten auf die Fische, die auf dem Weg durch den Fluss sein mussten. Axel hatte das schreckliche Erlebnis des Vortags verdaut und stieg oberhalb zu uns. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass wir auf die Insel mussten. Durch das Hochwasser lief das Wasser nun auch über das Kiesbett und eine Insel hatte sich gebildet. Deshalb der nennen wir das Mittelstück "Insel".

Aber der Regen hörte auf und das Wasser ging leicht zurück und wurde etwas klarer. Ich dachte mir wir sollten es an der Kante bei dem alten Stein versuchen. Hier hatte ich mir ein tiefes Loch an der Kante gemerkt und ich vermutete, dass die Fische hier direkt langziehen werden. Axel machte den Vortritt und wir fischten uns flussabwärts und später musste ich mich bei ihm bedanken, denn als er eine Zigarrettenpause einlegte überholte ich ihn und tastete mich auf das besagte Loch zu als plötzlich ein Ruck in meiner Rute zu spüren und im selben Moment ein Schwall an der Oberfläche zu sehen war. Nach einem kurzen, aber intensiven Drill, bei dem ich dem Fisch kaum Luft gab, griff Axel zu und mein zweiter Fisch von 8,3 kg lag vor uns. Geil, bei dem Wasserstand und dann noch am letzten Tag! Gern hätte ich noch weitergefischt, aber sie kennen die bereits erwähnte neue Regelung. Froh über meinen zweiten Lachs in einer Woche und doch etwas traurig, weil wir bei so tollen Bedingungen aufhören mussten, trugen wir den Fisch nach oben in Richtung Hütte, versorgten ihn und legten uns noch einige Stunden aufs Ohr.

 

Die Abreise am nächsten Morgen fiel uns sichtlich schwer und doch freuten wir uns auch irgendwie auf zu Hause und vor allem mal wieder auf ein ordentliches Bett. Gegen 10 Uhr hatten wir das Gepäck und die Lachse verstaut und wir machten uns auf Richtung Hamburg. Aber wir machten einen kleinen Umweg und fuhren die Gaula flussaufwärts, um uns noch eine Strecke im Oberlauf der Gaula anzusehen. Dabei passierten wir den Gaulafossen, den berühmten Bridgepool, den Eafossen und den Oberlauf der Gaula, an dem einem dieser so riesige Fluss plötzlich nur noch wie ein Gebirgsbach vorkommt. Vorbei an Röros, dem Gebiet, in dem die Gaula entspringt und entlang an der wunderschönen Glomma, an dem die ersten Forellenangler ihre Ruten schwangen.  Etwa 19 Stunden später landeten wir sich auf dem Parkplatz am Howersee, der in den frühen Morgenstunden auch seinen gewissen Charme hatte, auch wenn er keinesfalls mit der tollen Landschaft Norwegens zu vergleichen ist. Das Begrüßungsbier von Teddy stand auf dem Tisch, die Autos standen zum Umladen bereit und zügig luden wir die Sachen aus dem Auto und packten die durch die defekte Lüftung leicht angetauten Lachse in die Truhe. Ich legte mich noch zwei Stunden aufs Ohr, bevor ich den Leihwagen zurückbringen musste.

 

Mein Fazit dieser kurzen aber intensiven Reise fällt zweideutig aus. Zum einen hat es mich gefreut, mal wieder an der Gaula fischen zu dürfen, denn dieser Fluss ist schon etwas ganz Besonderes und mit keinem von mir bisher befischten Gewässer in irgendeiner Form zu vergleichen. Zum anderen bin ich enttäuscht, enttäuscht auf die Fischerei, die sich uns bot. Dies nicht aufgrund mäßiger Fänge, sondern weil Lachsfischen hier nur noch eine reine Geldmacherei zu sein scheint und es nichts mehr mit Ruhe und Entspannung zu tun hat, wenn auf einem Flussabschnitt von 2 km Länge ständig 20-30 Angler fischen dürfen. Deshalb ist es auch kein Wunder mehr, dass gute Fischerei immer teurer und in naher Zukunft unbezahlbar wird.

Und dann spart man ein Jahr auf diese Reise, fährt vielleicht 2 Wochen nach Norwegen, fischt 10 Tage ohne Erfolg und fängt am 11 Tag früh morgens den ersten Lachs. Dann muss man das Angeln einstellen, weil man nicht mehr als 1 Lachs entnehmen darf. Man könnte den Lachs natürlich zurücksetzen und weiter angeln, aber mal ehrlich, wer macht das schon, wenn es der erste ist in dieser Woche. Dem Einheimischen ist das egal, aber für uns Touristen unglücklich geregelt. Ich denke, eine Catch & Release Regelung wäre hier sinnvoller, sprich einen Fisch entnehmen, aber weiter fischen können. Der nächste wird dann zurückgesetzt. Oder Sie machen es wie die Profis, so setzt Ken Sawada alle Fische unter 10 kg sofort zurück. Nur von solchen Fängen ist an einer Strecke, an der man 250 NOK am Tag zahlt, nicht auszugehen. 

Aber in jedem Fall muss etwas gegen diesen Massendruck an einigen Strecken getan werden. Das Beispiel Borten/Losen und auch Nedre Löberg zeigt, dass einfach viel zu viele Angler einen Pool befischen dürfen. Das kann nicht im Sinne des Angelsports sein.

Schön war die Reise aber in jedem Fall und viele dieser schönen Momente habe ich natürlich wieder mit meiner Kamera festgehalten. Ich wünsche allen viel Spaß dabei und viele schöne Stunden am Wasser.

 

Bilder und Bericht Stefan Gericke

 

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