Hower Fliegenfischer Club e.V.

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Reisebericht "Gaula August 2005"
 

Dieses Mal war alles anders als sonst. Seit vielen Jahre fahre ich nach Norwegen und jedes Jahr ist es anders. In jedem Jahr verändert sich die Gaula durch das Hochwasser im Frühjahr. Das Kiesbett wird durch den Druck des Wassers immer weiter stromab verlagert und so füllen sich tiefe Löcher und Inseln werden verschoben. Durch mehrere Hochwasser in dieser Saison waren die Veränderungen zum Vorjahr enorm. Durch Hochwasser mit teilweise mehr als 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde wurde das Flussbett stark verlagert. Tiefe Löcher wurden zugeschüttet, große Steine wurden teilweise komplett vergraben und Kanten wurden weggespült. Alles das waren gute Standplätze, an denen die Lachse bei ihrer Reise durch den Fluss stehen blieben oder zumindest einen kurzen Halt machten. Also Plätze, an denen man gute Fänge verzeichnen konnte. All das war dieses Jahr anders. Kaum ein Fisch hatte sich in den sonst so begehrten Pool gestellt und da es mittlerweile August war, zogen natürlich auch längst nicht mehr so viele Fische den Fluss hoch.

 

Auch in diesem Jahr fuhren wir wieder für 14 Tage nach Norwegen. Wieder mit von der Partie Mike Wirth. Zum ersten Mal dabei waren Michael Schorradt und Christian Schröder. Nach einer anstrengenden Fahrt durch die Nacht waren wir nach etwa 20 Stunden, diesmal mit heilem Auto, in Nedre Löberg angekommen, packten wieder unsere Sachen aus und trafen uns am Fluss zu unserem obligatorischen Gaula Bier. Den Wasserstand hatte ich die Tage zuvor im Internet verfolgt und so wunderte ich mich nicht, dass das Wasser enorm hoch war zu dieser Zeit. Etwa eine Woche zuvor musste es den Bergen von Röros stark geregnet haben und ein Hochwasser mit 800 Kubikmeter pro Sekunde rauschte das Flussbett Richtung Mündung. Langsam sank das Wasser aber und so freute ich mich darüber, dass wir eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt ankamen und praktisch als erste wieder an der Strecke fischen konnten.

 

Nach einem erholsamen Schlaf bereiteten wir unser Gerät vor und machten uns an den Fluss. Das Wasser war sehr kalt was eigentlich zu dieser Jahrezeit nicht schlecht ist, da die Fische dann eher giftig auf deine Fliege reagieren. Der Druck des Wassers war sehr stark, insofern mussten wir uns im Wasser sehr vorsichtig bewegen und kamen nur schwer an die so erfolgreiche Kante oberhalb der Rausche. Es war nur mit sehr weiten Würfen möglich. Also versuchte ich meine zweit liebste Stelle am großen Stein auf der Insel. Angekommen, bemerkte ich, dass der Stein wieder weiter in den Kiesboden gesunken war und das Wasser viel dichter an der Kante entlang schoss. Und das mit soviel Druck, dass es unmöglich war in die Mitte zu kommen um die andere Seite an der Lehmkante zu befischen. Und auch hier war alles anders. Durch das Hochwasser muss der kleine Bach auf der anderen Uferseite zu einem reißenden Fluss geworden sein und so fast die kompletten Bäume mitgerissen haben, die die Lehmkante zusammen hielten. Nun war sie fast weg und die schattigen Stellen, an denen sich die Fische tagsüber aufhielten, waren verschwunden.

 

Das Wasser fiel weiter und langsam konnte man an die Rausche heran um diese abzufischen. In der Hoffnung einen Standfisch zu erwischen, fischte ich die Rausche intensiv ab. Ungewöhnlich war nur, dass sich keinerlei Fische zeigten. Normalerweise springen die Lachse gerade im August nahezu im Minutentakt. Ich erklärte es mir durch das kalte Wasser, nur leider fehlten die Kontakte. 5 Tage lang sahen wir maximal eine Hand voll Fische an den Stellen, die mit der Fliege zu befischen waren. Nur im Holding Pool unterhalb der Insel zeigten sich Fische, die leider viel zu tief für uns Fliegenfischer schwammen.

 

Dann fing es wieder an zu regnen, das Wasser stieg und der Druck nahm zu und somit wurde es immer schwerer für uns an die Kanten zu kommen. Im Falle eines Hochwassers sollte man sich auf die Kanten an der eigenen Uferseite konzentrieren, da hier die Fische entlang ziehen, da es einfach leichter für sie ist. Das taten wir, nur leider kamen augenscheinlich keine Fische hoch. Nachdem das Wasser wieder sank und mittlerweile die erste Woche rum war, konnten wir so langsam wieder in den Fluss. Aber auch diesmal hatten wir keinen Kontakt und noch viel schlimmer, wieder zeigte sich kein Fisch. Ich musste zugeben, dass sich das Flussbett leider so verändert hatte, dass nur ganz wenige Fische stehen blieben. Mein Vater war mit seiner Truppe bereits im Juli hier gewesen und hatten relativ gut gefangen. Aber ungewöhnlich war die geringe Durchschnittsgröße der Lachse. Es wurden größtenteils nur Grilse um die 2 kg gefangen. In der Regel ist es aber so, dass im Juni eher die großen Fische hochziehen. Fische mit einem Durchschnittsgewicht von 10 kg. In dieser Zeit werden auch häufig Rekordfische von über 20 kg gefangen. In diesem Jahr war der Druck der Gaula so hoch, dass die Mehrzahl der Fische im Unterlauf der Gaula gefangen wurden, also unterhalb des Gaula Fossen, den sie bei dem Wasserstand mieden. Ab Juli kommen dann die meisten Fische den Fluss hoch. Meist in Schulen und mit Gewichten zwischen 5 und 7 kg. Das sind m. E. die schönsten Fische. Sehr gierig, weil sie in Schulen kommen und der Neid größer ist, als wenn sie alleine ziehen und meistens auch sehr kampfstark. Im August kommen dann nur noch vereinzelt sehr große Männchen hoch. Und in der ganzen Zeit fängt man normalerweise die Grilse um 2 kg, die nicht zum Laichen kommen, sondern den Fluss erkunden und auch fressen. Also nette Beifänge. „Eigentlich!“ Nun kommt es aber alle Jahre mal wieder vor, dass der größte Teil der Lachse fehlt. Nämlich die Fische um 5 bis 7 kg. Dieses Phänomen ist zur Zeit noch unerklärlich. Laut Aussagen von Fischern an der Gaulamündung ist das darauffolgenden Jahr aber dann um so besser.  In diesem Jahr wurden also sehr viele kleine, aber auch sehr viele große Fische gefangen. 

 

Da wir nach etwa einer Woche noch keinen Fisch am Haken hatten und auch nicht der Meinung waren daran etwas ändern zu können, wenn wir vor Ort blieben, fuhren wir in den Unterlauf und schauten uns neue Strecken an, von denen in den letzten Tagen die einzigen Fangmeldungen kamen. Wir fischten in Kval und hier sahen wir zum ersten mal Standfische, die einen wenigstens mit ihren Sprüngen motivierten. Am ersten Abend gingen mir hier zwei kleine Meerforellen auf die Tube, die wenigstens mal etwas Spannung verursachten. Während des Fischens zog sich der Himmel zu und der Fluss wurde trüb. Ein Zeichen also, dass das Wasser nun wieder steigen würde und es in den Bergen regnen musste. Plötzlich zeigten sich Fische an der Kante. Blanke Fische, die frisch aus dem Meer kamen. Und groß waren sie. Wie mit einem Schlag war die Ratlosigkeit der letzten Woche wie weggepustet und man fing wieder an, mit einem Gefühl von Optimismus zu fischen. In nur kurzer Zeit sahen wir gut 10 Fische, die an uns vorbei zogen. Das Wasser war sehr trüb und trotz riesiger Tuben in den grellsten Farben, fingen wir keinen Lachs. Wir beschlossen nach Hause zu fahren und es am nächsten Morgen gleich wieder zu versuchen, in der Hoffnung das Wasser würde klarer werden. Am nächsten Morgen standen wir früher auf als sonst und fuhren wieder nach Kval. Am Fluss angekommen verging uns sofort das Lachen. So hoch hatte ich die Gaula lange nicht gesehen. Es war sogar unmöglich an die Stelle vom Abend zuvor zu kommen, da wir dort nie mit dem Auto durchgekommen wären.

Nachdem wir unseren Kaffee ausgetrunken und unsere Lunchpakte aufgegessen hatten, fuhren wir wieder nach Hause und setzten uns ins Haus. Was nun?

 

„Lass uns ans Meer fahren und Dorsche ärgern.“ Das machten wir dann auch und wir fingen einige schöne Fische an der Küste. Am nächsten Tag, der Fluss war vor lauter Wasser immer noch nicht zu sehen, fuhren wir in die Berge und fischten auf Bachforelle. Das ist eine nette Abwechslung zum harten Alltag „Lachsfischen“, jedoch nicht der Grund warum wir nach Norwegen fahren. Wir setzten uns also an den Tisch und ich machte den Vorschlag in den Oberlauf zu fahren und dort unser Glück an einigen schönen Stellen zu versuchen. Auch mein Vater war hier mit seinen Erfahrungen wieder mal ein guter Ratgeber. Wir fischten also oberhalb von Singsas, an Stellen, die noch viel schöner sind als die im Unterlauf. Das Wasser war nun besser und längst nicht mehr so hoch und so hatten wir ein tolles Fischen. Alleine die Umgebung war es wert 70 km mit dem Auto zu fahren. Wir fischten langsam auf eine kleine Insel zu und ich sah einen Baumstamm, der an der Kante hängen blieb und einen guten Standplatz für einen Lachs bieten könnte. Mit der feinen Zweihandrute warf ich den Ast an. Meine Tube tropfte auf den Stamm, fiel ins Wasser und in dem Moment kam er unter dem Stamm hervor, verfehlte meine Fliege nur knapp bevor er sie beim zweiten Zuschnappen greifen konnte. Endlich wieder ein Fisch am Band. Nachdem ich den Fisch versorgt hatte, gingen Mike und Christian die Stelle an. Dann zischte es plötzlich und ein Lachs knallte auf die Fliege von Mike. Leider hakte er ihn nicht richtig und so verlor er den Fisch. Aber wenigstens hatten wir wieder Kontakt. Nach einem weiteren Biss bei Christian fing ich einen zweiten Fisch mit einer ganz kleinen Fliege, nachdem die Stelle nun von zwei Leuten abgefischt wurde. Langsam mussten wir zurück, denn es wurde dunkel und Michi wartete mit Gulasch auf uns in der Hütte.

 

Mit zwei Fischen fuhren wir also zurück und beschlossen sofort am nächsten Tag einzupacken und eine Hütte in der Nähe der Stelle zu beziehen. Vor uns lagen noch 4 volle Tage und so lohnten sich die Strapazen auch. Am nächsten Abend konnte Christian seinen ersten Lachs fangen, den er souverän drillte und sich riesig freute. Er fischte eine Felskante auf der anderen Seite ab und konnte den Fisch durch schnelles „Einstrippen“ überreden, seine kleine Fliege zu nehmen. Da das Wasser sehr klar, flach und ruhig war, fischten wir mit kleinen unauffälligen Mustern, die wir relative schnell und flach führten. Das nimmt dem Lachs die Möglichkeit die Fliege lange zu betrachten und so lockt man seine Instinkte, die Fliege zu schnappen. Am Abend darauf konnte ich wieder einen hübschen Fisch überlisten. Ich sah einen Lachs an einem Stein buckeln, watetet auf ihn zu und befischte ihn mit einer kleinen braunen Tube. Er griff sofort zu. Leider nicht richtig und so konnte ich ihn nicht haken. Nun bringt es meistens keinen Erfolg, wenn man ihn danach sofort wieder anwirft. Also wartete ich zwei drei Minuten und versuche es dann erneut. Oftmals klappt es dann, aber leider nicht diesmal. Daraufhin fischte ich weiter flußab, ließ in vorerst in Ruhe und auf dem Rückweg watete ich etwas oberhalb durch das Wasser, band eine etwas größere rotbraune Tube ran und befischte den selben Fisch von der anderen Seite des Flusses. Beim zweiten Wurf griff er sich die Fliege so aggressiv, dass der Haken einwandfrei saß. Ich konnte also meinen 3. Lachs in zwei Tagen verzeichnen. Manchmal muss man Lachse eben etwas an der Nase herumführen und so überlisten.

 

Michi war zur selben Zeit etwas stromab gelaufen und hatte einen hervorragenden Watweg durch den Fluss gefunden, der es ihm ermöglichte die Rinne des Flusses zu befischen, in der sehr viel große Fische standen. Ein ruhiger Holding Pool. Das Einzige Problem war, dass er den Watweg nur genauso zurück gehen konnte wie er gekommen war. Er konnte also nicht quer durch den Fluss und genau das war der Grund, warum er den nach seinen eigenen Worten „Fisch des Lebens“ verlor. Er konnte nicht zurück, da er den Fisch nicht stromauf ziehen konnte. Also musste er ihn versuchen zu greifen. Und als er das nach 20 Minuten Drill auch endlich zu schaffen schien, schlitzte der Haken aus....

 

Wir konnten ihm leider nicht zur Hilfe kommen, da wir etwa 2 km oberhalb von ihm im Wasser standen und seine Hilfeschreie somit nicht hören konnten. Sie müssen sich das so vorstellen, als wenn ihnen vor der Zielgeraden beim Grand Prix am Hockenheim Ring der Sprit ausgeht. Sie glauben gar nicht welche Emotionen das auslöst.Aber nur aus solchen Ereignissen kann man lernen und so nahm Michi sich natürlich am nächsten Tag einen Kescher mit um den Fisch besser greifen zu können. Aber wie das nun mal so ist, fängt man genau dann keinen Fisch mehr. Michi schlief jetzt natürlich nicht mehr und versuchte es die letzten beiden Tage fast durchgehend an der Stelle; leider ohne Erfolg.

 

Mittlerweile war der letzte Abend eingebrochen und ich hatte mittlerweile 4 Lachse gefangen Ich telefonierte mit meinem Vater und er fragte mich, ob ich noch einen großen fangen möchte. „Klar !!“, sagte ich. „Warum nicht !!?? Wenn das so einfach ist???“ Er gab mir einem Tipp, einen Hot Spot, an dem er bereits öfter einen großen Fisch verloren hatte. Er war sich sicher, dort stehe dieses Jahr wieder ein großer Fisch. Ich fuhr mit Christian hin und wir fischten die Stelle ab. Es war sehr windig und so war es sehr schwer an den Felsen auf der anderen Seite zu kommen, an dem der vermeintliche Fisch stehen sollte. Plötzlich ein Biss an meiner Seite des Flusses, den ich aber leider nicht verwerten konnte. Ich wartete wieder und nach zwei Minuten machte ich einen erneuten Wurf. Diesmal „strippte“ ich die Fliege schnell an der Oberfläche und wieder ein Schwall. Nur leider biss er nicht. Nach einer Pause legte sich der Wind und ich konnte nun den Felsen mit einem guten Unterhandwurf erreichen. Dann plötzlich ein Ruck und ich hatte ihn. Nach etwa 10 Minuten konnte ich einen wunderschönes Lachsmännchen von gut 10 Kilo landen. Und weil dieser Fisch so wunderschön war, die Situation so überwältigend und der Fisch so wichtig für Nachkommen, setzte ich ihn nach einem Foto sanft zurück.

Vielen Dank Papa, für den Tipp!

 

Am nächsten Tag mussten wir packen und die Heimreise antreten. Aber seien sie sich sicher, wir fahren im nächsten Jahr wieder an die Gaula.

 

 

„Tight Lines“, Stefan